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Thema: Einstiegshilfe Gefahrenanalyse und Risikobeurteilung

  1. #1
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    Hallo zusammen,

    ich arbeite mich gerade in den Bereich Gefahrenanalyse und Risikobeurteilung ein. Hab hier auch schon fleißig mitgelesen, aber für die praktische Umsetzung fehlt mir noch der richtige Einstieg.
    Im konkreten geht es hier um eine Rundtischmaschine, Außenmaße 2x2,5m mit pneumatischen Bearbeitungsstationen, Zylinderdurchmesser D32mm und servogesteuerte Zweiachssysteme zum Be- und Endladen.

    1) Risikoeinschätzung
    Hier soll der erforderliche Performance Level PL ermittelt werden. Dazu müssen die einzelnen Gefährdungspotentiale der Maschine ermittelt und beurteilt werden.

    z.B. Station 4 - Pneumatische Klemmung der Produkte
    Risikoeinschätzung Sieht nach EN ISO 13849-1 so aus?

    S - Schwere der Verletzung:
    Schwere Quetschung von Hand und Arm möglich => S2

    F - Häufigkeit und/oder Dauer der Gefährdungsexposition:
    hier wird es IMHO schon wieder schwammig das zu beurteilen.
    Wenn man davon ausgeht, ob jemand (ohne die Schutztüren, die sind ja dann erst als Maßnahme zur Risikominimierung zu betrachten) an die Station langen kann, dann ist das ja dauernd der Fall => F2
    Wenn man aber die Arbeitsweise betrachtet, dann ist ein Eingriff in die Station nur zum Werkstückträger umrüsten notwendig => F1
    Kann mich jemand dazu aufklären?

    P - Möglichkeiten zur Vermeidung der Gefährdung
    Ist durch das Anbringen einer allseitigen Einhausung mit Schutztüren möglich => P1

    Auf diese Weise müssen nun sämtliche mir einfallenden Risiken einzeln bewertet werden?

    2) Risikominderung
    Die Anlage ist im Prinzip rundrum mit Schutztüren versehen und die Ein- und Auslage ist separat eingehaust. Sprich der Zugang zu den gefahrausgehenden Orten ist nicht zugänglich. Dadurch sind doch genug Maßnahmen getroffen die Risiken zu minimieren.

    3) Realisierung Sicherheitsfunktionen
    Dazu komme ich dann später, wenn Punkt 1 & 2 geklärt sind. Sonst wird das soviel auf einmal

    Ich hoffe ihr könnt mir beim Einstieg in das schwierige Thema etwas weiterhelfen.

    Drain
    Zitieren Zitieren Einstiegshilfe Gefahrenanalyse und Risikobeurteilung  

  2. #2
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    Moin


    Ich fass mich kurz:


    1. Gefährdungsanalyse

    ich machs in einer Excel Tabelle.

    Erste Spalte: Alle Gefährdungen ermitteln und aufschreiben

    Zweite Spalte: Jede Gefährung einzeln nach Risikograph bewerten (Du betrachtest die Maschine ohne Schutzzaun, und andere Schutzmaßnahmen. So als wenn die Maschine völlig ungeschützt da steht)

    Dritte Spalte: Massnahmen zur Reduzierung der Gefährdung ermitteln (Schutzzaun, Zwei-Hand Bedienstelle, Einhausung.....)

    Vierte Spalte: Restrisiko nach Risikograph ermitteln.


    2. Ausführung der Sicherheitsfunktionen

    Aus der zweiten Spalte ergibt sich Dein PLr


    Gruß
    Beren

  3. #3
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    @Drain

    Bitte verwechsele nicht die Risikobeurteilung einer Maschine mit der Ermittlung des PLr einer Sicherheitsfunktion. Die Ermittlung des PLr nach EN ISO 13849-1 kommt erst NACHDEM eine steuerungstechnische Maßnahme im Rahmen der Risikobeurteilung ermittelt wurde.

    Da die Dokumentation des iterativen Prozesses im Rahmen der Risikominimierung durch die EN ISO 14121-1 (wie auch schon durch den Vorgänger EN 1050) verlangt wird machst Du hier eine Art VORHER – NACHHER Betrachtung. Du schauts Dir eine Gefahrstelle also ohne Schutzmassnahmen an... legst eine Schutzmaßnahme fest, und bewertest das Risiko an der Gefahrenstelle erneut. Durch die Quantifizierung (Zahlenwert) des Risikos kannst Du so theoretisch nachweisen, dass Deine Maßnahme auch tatsächlich wirksam war.

    Im Falle bereits fertiger Maschinen (zwar illegal gem. Maschinenrichtlinie aber eher die Regel) ist die Risikobeurteilung eher ein zweistufiger Prozess.... erstens so eine Art Reverse Engineering in dem Du bereits vohandene Schutzmaßnahmen herleitest und ihre Wirksamkeit (theoretisch) überprüfst, und noch an der Machine bestehende Gefahren für die Du geegnete Sicherheitsmaßnahmen findest. Die Betrachtungsweise "Stellen wir uns die Maschine OHNE Schutzeinrichtungen vor" ist hierbei ein übliches Hilfsmittel.

    Und jetzt kommt der PLr ins Spiel. Sollte eine Deiner Maßnahmen eine steuerungstechnische sein, dann wird in der Regel davon ausgegangen, dass diese auch eine hinreichende Risikominderung darstellt. der PLr beschreibt jetzt die Qualität Deiner steuerungstechnischen Maßnahme.

    Je gefährlicher desto PL!

    Oder anders gesagt, Du bewertest das Risiko, dass herschen würde, würde die Schutzmaßnahme klammheimlich (die Norm nennt das gefahrbringend) ausfallen.

    Alex

  4. #4
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    @Beren
    Deine Exceltabellenausführung scheint mir recht passabel zu sein. Werde ich so übernehmen. Danke für die Beschreibung.

    @Alex
    IMHO müßten folgende Schritte in dieser Reihenfolge stattfinden:
    1. Den erforderlichen Performance Level (PLr) in einer Risikoeinschätzung für einzelne Gefahren ermittlen (in Berens Tabelle Spalte 1+2)

    2. Maßnahmen zur Verminderung der Risiken ergreifen (in Berens Tabelle Spalte 3)

    3.
    a) Ist die gefährdungsbeseitigende Maßnahme eine Konstruktive (z.B. Feste Einhausung => kein Zugriff mehr möglich), dann alles gut
    b) Handelt es sich dagegen um eine technische Schutzmaßnahme (Tüschalter, Not-Halt => Not-Aus), dann ist die Sicherheitsfunktion zu bewerten und der erreichte Performace Level (PL) zu ermitteln. Nur wenn PL >= PLr, dann alles gut

    Ist das soweit korrekt?

    Was ist unter einer steuerungstechnischen Maßnahme zu verstehen? Eine Steuerung muß doch als Fehlerquelle (z.B. Ausgang wird ungewollt eingeschalten => Motor läuft an) gesehen werden und kann keine Maßnahme zur Risikominimierung sein.

    Bin für weitere Antworten dankbar.
    Drain

  5. #5
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    Hi Du,

    soweit ist alles korrekt.

    Eine Steuerungstechnische Massnahme ist die Verhinderung einer gefährdenden Situation => Sicherheitsfunktion. Not-Halt Taster, Zweihand Bedienstelle, Logik, Leistungsschütze...

    Alle Komponenten der Sicherheitsfunktion sind relevant.

    Gruß

  6. #6
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    Mahlzeit!

    @Drain:

    Eine Tabelle zur Risikobeurteilung sollte zumindest 7 Spalten haben. Ich schreib die Spalten mal hin, wobei die in Klammer gesetzten Spaltennamen optional sind.

    (Laufende Nummer), Gefahrstelle, Lebensphase, Risikobeschreibung, Risikobewertung bzw. Risikozahl VOR Maßnahme, Maßnahmenbeschreibung ggf. auch mit Normbezug, Risikobewertung bzw. Risikozahl NACH Maßnahme, (Maßnahmenprinzip), PLr, (erreichter PL).

    Die Risikozahl ist ein wenig problematisch. Natürlich ist es prinzipiell möglich, den Risikografen der EN ISO 13849-1 zu benutzen, und statt PLa bis e eine Zahl von 1 bis 5 zu erhalten. Allerdings wird das den Ansprüchen der EN ISO 14121-1 nicht gerecht, da die noch einen weiteren relevanten Parameter zur Risikobewertung angibt. Neben den Werten Schadensausmaß, Aufenthaltsdauer und Fluchtmöglichkeit kommt noch die Eintrittswahrscheinlichkeit zum Tragen. Dieser Parameter wird durch den Risikografen der EN ISO 13849-1 nicht abgedeckt.

    Bei der Wahl der Maßnahme ist prinzipiell folgende Reihenfolge zu beachten:

    1. Inhärent sichere Konstruktion (die Maschine so clever bauen, dass sie niemanden beisst)

    2. Konstruktive Schutzmaßnahme (Abdeckung oder steuerungstechnische Maßnahme)

    3. Organisatorische Maßnahme (Piktogramm, Hinweis in Betriebsanleitung, Unterweisung, Schlüsselschalter)

    @Beren:

    In Deiner Tabelle fehlte mir die Lebensphase Lebensphasen sind enorm wichtig, da an einer Gefahrenstelle in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Sicherheitsmaßnahmen notwendig sein können (z.B. beim Robi. Normalbetrieb -> Schutzzaun, Einrichtbetrieb im Inneren des Schutzzauns -> Sichere Geschwindigkeit und Zustimmbetrieb)

    Gruß

    Alex


  7. #7
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    @Klopfer: Einrichtbetriebe etc. werden bei mir über die Gefährdungen beschrieben.

  8. #8
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    @Beren

    Das ist grundsätzlich in Ordnung, da die Form der Risikobeurteilung ja nunmal nicht festgeschrieben ist. Erlaubt ist, was funktioniert.

    Durch die zusätzliche Unterteilung in Lebensphasen wird insbesondere den Menschen geholfen, die die Betriebsanleitung erstellen müssen. Denen fällt es leichter, spezifische nur in besonderen Lebensphasen auftretende Restrisiken in entsprechende Benutzer Informationen zu überführen.

    MfG

    Alex

  9. #9
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    Hallo ihr zwei,

    danke für eure Diskussions- und Erklärungsbereitschaft.

    Um nochmal auf das konkrete Projekt von mir zurückzukommen.

    Zitat Zitat von Drain Beitrag anzeigen
    ...
    Im konkreten geht es hier um eine Rundtischmaschine, Außenmaße 2x2,5m mit pneumatischen Bearbeitungsstationen, Zylinderdurchmesser D32mm und servogesteuerte Zweiachssysteme zum Be- und Endladen.
    1)
    Wie ist die "Dauer der Gefährdungsexposition" ohne Schutzeinhausung zu bewerten? Es ist ja ein dauernder Zugriff in die gefahrausgehende Station möglich, aber notwendig eigentlich nur im Störungsfall bzw. beim Umrüsten.

    Die Taktzeit der Stationen liegt bei ca.8s, es muß dann wohl von einer häufigen bis dauerenden Gefährdungsexposition ausgegangen werden, oder?

    2)
    Und wie ist die Gefährung durch diese Station nach Anbringen einer Einhausung zu bewerten?
    Kann diese jetzt Anstelle von S2 - "schwere Verletzung" mit S1 - "leichte Verletzung" bewertet werden, da ein Zugriff auf die Station nicht mehr möglich ist
    Sorry, irgendwie durchblicke ich das noch nicht so ganz.

    Weitere Fragen folgen

    Drain

  10. #10
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    @ Drain Ja, genau an solchen Fragen hänge ich auch gerade.

    Wobei ich nicht ganz zurechtkomme mit SIL, PL, PLr Wann mache ich was?

    Und wie funktioniert PLr ? Risikoabschätzung von 0 (geringes Risiko) bis 10 (hohes Risiko) unter Berücksichtigung von:
    Schadensausmaß, Aufenhaltsdauer, Möglichkeit des Erkennens, Wahrscheibnlichkeit des Eintretens.
    Liege ich da richtig? Oder ist PL und PLr das gleiche ?
    Geändert von Herrminator2 (23.11.2009 um 10:44 Uhr) Grund: Was vergessen....

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