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Thema: Rechtliche Situation für Forschungs- und Versuchsanlagen

  1. #1
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    Hallo,

    mich beschäftigt zur Zeit eine komplexe Fragestellung.
    Ich bin ausgebildeter Elektroniker für Automatisierungstechnik und studiere Elektrotechnik im Bachelorstudiengang. Der Abschluss wird voraussichtlich in einigen Wochen erreicht.
    Seit etwas über einem Jahr habe ich einen Arbeitsvertrag als studentische Hilfskraft an meiner Hochschule.
    Im Rahmen dieser Tätigkeit betreue ich die ingenieurstechnischen Bereiche einer automatisierungstechnischen Anlage. Ich baue und erweitere Anlagenteile, kümmere mich um die elektrischen Installationen sowie alle anfallenden Aufgaben der automatisierungstechnischen Seite wie Visualisierung, Vernetzung, informationstechnische Applikationsentwicklung, SPS-Programmierung und alles was eben so dazu gehört.

    Unsere Anlage ist eine reine Forschungs- und Versuchsanlage, das heißt sie unterliegt vollumfänglich einem ständigen Wandel. Es wird hier etwas erweitert, dort etwas zurückgebaut, mal bestimmte Teile nur in Testbetrieb gefahren, Programmierung der Steuerungen geändert und so weiter und sofort.

    Die übrigen Beschäftigten des Forschungsprojektes sind Biologen und haben mit den elektrotechnischen/automatisierungstechnischen Elementen unserer Anlagen nichts zu tun. Weisungsberechtigt mir gegenüber sind sie allerdings. Sprich der Biologe möchte etwas bestimmtes programmiert oder installiert haben und ich setze die Geschichte dann um.

    Heute ergab sich eine Diskussion, die mich veranlasste, mal etwas genauer darüber nachzudenken, wo ich mich rechtlich hier bei meiner Tätigkeit bewege.

    Randbedingungen:

    Bei der Versuchsanlage handelt es sich um die Simulation eines geschlossenen Fluidkreislaufs für die Aquakultur. Im Prozesswasser dieser Anlage werden Fische aufgezogen.
    Bestandteil der Wasseraufbereitung ist ein Ozongenerator, der dem Prozesswasser geregelt durch das Redoxpotential des Wassers Ozon zudosiert. Ein Warngerät für die Ozonkonzentration in der Umgebungsluft dient zur Überwachung und schaltet bei Störung oder Ozonalarm den Ozongenerator ab. In meinem Störmeldesystem der Anlage wird dies natürlich gemeldet und der Ozongenerator kann nur nach Quittierung wieder zugeschaltet werden.

    Diskussion:

    Den Weisungsberechtigten stört nun, dass der Ozongenerator abschaltet, wenn eine Störung des Warngerätes vorliegt. Er möchte die Abschaltung lediglich bei Ozonalarm haben.
    Ich als Elektrofachkraft argumentiere gegen diesen Wunsch, dass sobald die Messtelle nicht mehr auf Konzentration überwacht wird, weil das Warngerät ausfällt oder eine Störung hat, auch das Gerät zur Sicherheit abgeschaltet werden muss. Ozon ist giftig und daher kann nur durch eine vorsorgliche Abschaltung auch bei Störung eine Gefahr für den Menschen ausgeschlossen werden. Der Biologe lässt sich von seinem Wunsch nicht abbringen, also projektiere ich wie gefordert einen Knopf in meine Visualisierung, über den die Störungsüerwachung überbrückt werden kann. Dazu ändere ich natürlich auch die hardwaremäßige Verriegelung für den entsprechenden Fall. Ich habe also dafür gesorgt, dass eine Sicherheitseinrichtung umgangen wird.

    Nun befinden wir uns halt hier in einem Forschungsumfeld. Kein Elektromeister nimmt das ganze, was ich hier an jedem Arbeitstag tue ab. Ich bin die einzige Elektrofachkraft und habe aktuell noch nichtmal einen Abschluss als Ingenieur (jedenfalls nicht vor April) und schon gar keine Meisterprüfung.

    Nach der oben geschilderten Diskussion (die natürlich oftmals an anderer Stelle ähnlich zwischen Biologen und den studentischen Hilfskräften aus den Ingenieurswissenschaften geführt wird) frage ich mich nun konkret, in welcher Situation ich mich hier rechtlich befinde. Ich setze, wie es halt in Forschung und Lehre üblich und unvermeidbar ist, öfters Frickellösungen um, die in der Industrie natürlich nicht durchgeführt werden würden. Manche Konstrukte für Testbetriebe sind sicherheitstechnisch in meinen Augen bedenklich, werden aber von den Weisungsberechtigten gewünscht und toleriert. Wie sieht sowas in der Forschung aus? Wie ist meine Verantwortung, als studentische Hilfskraft in einem solchen Forschungsprojekt. Mache ich mich mit einer wie oben geschilderten Aktion wie der Umgehung einer Sicherheitseinrichtung sogar strafbar? Oder liegt die Verantwortung ausschließlich bei den projektverantwortlichen Professoren?

    In der Regel wird eine elektrische Anlage ja vor Inbetriebnahme und bei Änderungen von einem Berechtigten mit Brief und Siegel abgenommen. Ist hier nie passiert und da hier und da ständig was verändert wird, kann man natürlich nicht für jedes getauschte Kabel, jede eingebaute Sicherung, jeden neuen Sensor einen Elektromeister herbestellen.

    Ich hoffe, jemand versteht die Problematik und kann was zur rechtlichen Situation in Forschung, Lehre und Versuchsanlagen sagen.

    Danke und Gruß
    Zitieren Zitieren Rechtliche Situation für Forschungs- und Versuchsanlagen  

  2. #2
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    Hi,

    Vom Fachausschuss Maschinenbau existiert ein "neues" Informationsblatt, welches sich mit dem "Probebetrieb von Maschinen und maschinellen Anlagen beschäftigt. Siehe Anhang.

    Dieses Informationsblatt enthält Angaben zur
    Begriffsbestimmung des Probebetriebs.
    Die Rechtliche Situation und die besonderen
    Gefährdungen während des Probebetriebs,
    sowie die Maßnahmen für den sicheren Umsetzung.

    Weitere Informationen auch hier: http://www.sps-forum.de/showthread.p...t=probebetrieb

    Gruß
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  3. #3
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    Das ist schon ein nettes Arbeitsblatt, dankeschön. Das trifft auf die Situation hier recht gut zu. Werde mich mal intensiv damit auseinandersetzen. Danke schonmal dafür

    Gruß

  4. #4
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    Hallo,

    pragmatische Lösung: kannst Du das Abschalten des Generators bei Störung des Überwachungsgerätes
    zeitlich verzögern, während gleichzeitig eine Warnmeldung kommt?

    juristische Situation: da Du Facharbeiter bist und die Problematik genau kennst, wirst Du bei einem
    schweren Personenschaden zumindest mit im Focus der Ermittlungen stehen. Wer dann letztendlich
    verurteilt wird, hängt von vielen Detailfragen ab. Wenn man die alle im Vorfeld beantworten könnte,
    brauchte man keinen Richter. Leider kann ich Dir nichts anderes sagen.
    Aber dafür muss natürlich auch erst mal was passieren.

    Was sind die Folgen für Dich, wenn Du es einfach nicht tust? Frage danach, vor Zeugen, dann wird sich der
    Biologe seine Antwort schon überlegen.

    Dein Fachvorgesetzter, z.B. Professor Elektrotechnik, muß unbedingt von dem Vorgang erfahren.
    Dränge darauf, daß solche Dinge wie Veränderungen an Maschinen in einer Anweisung geregelt werden.

    Wie hoch ist denn die Gefahr für Menschen in der Anlage effektiv?

    Gibt es an der Hochschule eine Fachkraft für Arbeitssicherheit (intern oder extern)? Die kann man
    auch fragen.

    Gruß
    Tommi

  5. #5
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    Ev. ein entsprechend auffälliges Schild "O3 Grenzwert überschritten" im Laborbereich und an allen Eingangstüren entsprechend Aktivieren. (also Leuchtschrift zb mit LED) parallel dazu eine Sirene starten, die erst wider verstummt wenn der Grenzwert unterschirtten ist (und die sich auch nicht Rückstellen lässt).
    Alle Werte und ausgelösten Meldungen mitprotokollieren!

    Alle Zutrittsberechtigten Personen vorab nachweislich (Mit Unterschirft) unterweisen über die ev auftretenden Gefahren.

    Dann sollte in einem Laborbereich eigentlich alles abgedeckt sein.

    Die erforderliche PSA (schwerer Atemschutz / Ate,schutzmasken, . . . müssen natürlich schon vorhanden sein),
    Elektrotechnik und Elektronik funktioniert mit Rauch (Beweis: Tritt Rauch aus, funktioniert auch das Bauteil nicht mehr)

  6. #6
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    Das Zauberwort heiß "Gefährdungsbeurteilung".

    Auch wenn die Maschine/Anlage ansich nicht in Verkehr gebracht wird, und somit der aktuellen Richtlinien- und Normenwelt nur bedingt unterworfen ist, so ist das Labor doch ein Arbeitsplatz. Somit sollten Gefährdungen die sich aus Versuchsaufbauten und auch ggf. überbrückten (oder Überbrückbaren) Sicherheitskreisen ergeben betrachtet und geeignete Maßnahmen ergriffen UND dokumentiert werden.

    Ein Ansatz ist der Vorschlag von winnman. Aber bitte dokumentiert das Ganze irgendwo. Vor dem Richter stehen und nur sagen können "Wir fanden das alle gut" schaut recht blöd aus. Den ein oder Anderen überfällt da auch gerne mal ne partielle Amnesie.

    Gruß

    Klopfer

  7. #7
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    Guten Tag,


    siehe

    > MRL, Artikel 1 / (2) : ... dieser Richtlinie sind ausgenommen :
    h) Maschinen ... für Forschungszwecke ... in Laboratorien.


    MfG

  8. #8
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    Zitat Zitat von Profilator Beitrag anzeigen
    Guten Tag,


    siehe

    > MRL, Artikel 1 / (2) : ... dieser Richtlinie sind ausgenommen :
    h) Maschinen ... für Forschungszwecke ... in Laboratorien.


    MfG
    Du hast den entscheidenden Teil vergessen zu zitieren:

    ...und zur vorübergehenden Verwendung
    in Laboratorien bestimmt sind

    Vorübergehend ist die Anlage, so wie ich das lese definitiv nicht, da die Anlage deutlich mehr als einige wenige Wochen so betrieben wird. Die MRL hat also Gültigkeit.

    Gruß
    Timo
    chaos, panic and disorder - my work is done!

  9. #9
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    Zitat Zitat von TimoVoss Beitrag anzeigen

    Vorübergehend ist die Anlage, so wie ich das lese definitiv nicht, da die Anlage deutlich mehr als einige wenige Wochen so betrieben wird. Die MRL hat also Gültigkeit.

    Gruß
    Timo


    @ Profilator: eine Risikobeurteilung müsstest Du trotzdem machen. Was entfällt, wäre Konformitätserklärung, CE-Kennzeichen
    und komplette Betriebsanleitung.

    Gruß
    Tommi
    Geändert von Tommi (15.03.2012 um 12:54 Uhr)

  10. #10
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    @ Tommi : Klar nix anderes hab ich geschrieben -> sicher muß die Anlage sicher sein (gem. Geräte / Produkt-
    sicherheitsgesetz).

    Ich wollte nur aufzeigen, das in diesem Fall sogar mal was klar und eindeutig in der MRL steht.

    Vorübergehend ist ja relativ - das man eine kompexe Laboranlage aber nicht nur für ein paar Wochen
    aufbaut versteht sich ja wohl von selbst. Sollte also der Normensetzer das so gemeint haben würde ja der
    ganze Punkt mit der Ausnahme für Laboranlagen sich quasi selbst aufheben.

    Ich denke man hat hier eher die Verwendungsdauer von Maschinen in der Produktion vor Augen gehabt,
    also Zeiträume von 20 - 30 Jahren u durchaus auch länger. Und dazu würde ich vorübergehend relativieren.

    MfG
    Geändert von Profilator (15.03.2012 um 13:52 Uhr)

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