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Thema: Elektrische Kleinantriebe und CE-Kennzeichnung

  1. #1
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    Es gibt Kunden, die verlangen für alle elektrischen Komponenten CE-Zertifikate. Bei elektrischen Kleinantrieben bekommt man die aber z.T. garnicht. Selbst große namenhafte Hersteller winden sich da. Teilweise gibt es innerhalb einer Firma eine Produktlinie mit CE, eine andere ohne. Unterschied ist oft nur eine Erdungsschraube am Motorgehäuse, IP-Schutz oder nicht oder (Vermutung von mir) der zulässige Spannungsbereich (der bei vielen Antrieben aber gar nicht explizit angegeben wird).

    Das ein Servomotor eine CE-Kennzeichung benötigt ist scheinbar selbstverständlich, auch wenn er ohne Umrichter nicht nutzbar ist. So lange es um Antriebe geht, die an Netzgespeisten Umrichtern hängen ist das auch kein Problem, da liefern alle auf Anfrage entsprechende Konformitätsbescheinigungen.

    Aber wie sieht das bei elektrischen Kleinantrieben (DC, BLDC, Schrittmotoren) aus, die mit Spannungen betrieben werden, bei denen die Niederspannungsrichtlinie noch nicht anwendbar ist (<50V AC oder <75VDC)? Gibt es da eine belastbare rechtliche Grundlage, warum für diese Antriebsklasse keine CE erforderlich sein sollte? Oder andersrum, warum auch hier CE anwendbar sein muss? Die Tatsache, dass die Niederspannungsrichtlinie nicht greift ist alleine kein Argument. Dann dürften die meisten SPS-Komponenten auch kein CE-Zeichen tragen. Die EMV-Richtlinien müssen ja z.B. immer eingehalten werden.

    Wie wird das bei euch im Unternehmen gehandhabt? Oder sind die Hersteller-Dokumente kein großes Thema, so lange ein großer Name draufsteht?

    Mit freundlichen Grüßen
    Thorsten Ostermann
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    Zitieren Zitieren Elektrische Kleinantriebe und CE-Kennzeichnung  

  2. #2
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    in solchen Fällen ist es meist hilfreich einerseits generell Unterstützung anzubieten, andererseits aber mit konkreten "Paragraphen" darauf hinzuweisen dass man sich natürlich strikt an die Rechtsnormen hält, konkret hier des Abs. 1 Kap. 1 der Richtlinie "50 bis 1000V" = unter 50 V nix Niederspannungsrichtllinie == nix CE / aussser ggf. nach anderen Richtlinien wie bei Inverkehrbringen von Sicherheitsbauteilen.
    Gruss Andreas

  3. #3
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    Hallo,
    Die CE-Kennzeichnung eines Niederspannungsgeräts ist ein Hinweis dafür, dass es die anzuwendenden harmonisierten Sicherheitsanforderungen erfüllt und damit innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes verkauft werden darf. Die Richtlinie legt fest, dass Niederspannungsgeräte „bei einer ordnungsgemäßen Installation und Wartung sowie einer bestimmungsgemäßen Verwendung“ die Sicherheit von Menschen und Nutztieren sowie die Erhaltung von Sachwerten nicht gefährden dürfen.
    Die dafür ab Juli 2014 gültige Norm DIN EN61439
    schreibt dafür verschiedene Test vor wie ein >10kA Kurzschlussfestigkeit Nachweis durch zerstörende Prüfung. Da diese Prüfungen sehr Kostenintensiv sind, wägen einige Hersteller von Komponenten dies sehr genau ab. Man kann auch keine Herleitung treffen wie "alle Komponente die ich verbaue tragen ein CE-Zeichen, also ist meine Anlage auch CE-Konform".
    Von daher bitte große Vorsicht bei einer CE-Bestätigung von Anlagen zu Kunden und ein genaues Abwägen welche Normen man anwendet um diese zu zertifizieren.


    winke winke

  4. #4
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    Hallo Andreas,

    Zitat Zitat von Andreas Koenig Beitrag anzeigen
    in solchen Fällen ist es meist hilfreich einerseits generell Unterstützung anzubieten, andererseits aber mit konkreten "Paragraphen" darauf hinzuweisen dass man sich natürlich strikt an die Rechtsnormen hält, konkret hier des Abs. 1 Kap. 1 der Richtlinie "50 bis 1000V" = unter 50 V nix Niederspannungsrichtllinie == nix CE / aussser ggf. nach anderen Richtlinien wie bei Inverkehrbringen von Sicherheitsbauteilen.
    Das Problem ist doch, nur weil eine Richtlinie nicht anwendbar ist, bedeutet das noch lange nicht das keine Konformität bescheinigt werden muss. Neben der Niederspannungsrichtlinie gibt es ja z.B. noch die EMV-Richtlinie, die eigentlich bei allen elektrischen Teilen greift, außer bei einzelnen Bauteilen. Wann ist also ein Motor eine Komponente und wann nur ein (passives) Bauteil? Ein DC-Motor wird ein anderes Störverhalten haben also ein Schrittmotor. Bei einem Schrittmotor würde ich noch am ehesten von einem passiven Teil ausgehen. Aber auch der hat rotierende Teile und ist somit potentiell gefährlich. Noch schwieriger ist es bei BLDC-Motoren, die neben der Wicklung noch Sensorik (Hallsensoren, Encoder) und ggf. eine Bremse enthalten. Wo soll man hier die Grenze ziehen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Thorsten Ostermann
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  5. #5
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    Hallo RH,

    Zitat Zitat von RH1973 Beitrag anzeigen
    Hallo,
    Die CE-Kennzeichnung eines Niederspannungsgeräts ist ein Hinweis dafür, dass es die anzuwendenden harmonisierten Sicherheitsanforderungen erfüllt und damit innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes verkauft werden darf. Die Richtlinie legt fest, dass Niederspannungsgeräte „bei einer ordnungsgemäßen Installation und Wartung sowie einer bestimmungsgemäßen Verwendung“ die Sicherheit von Menschen und Nutztieren sowie die Erhaltung von Sachwerten nicht gefährden dürfen.
    Das ist mir alles grundsätzlich bekannt. Hier geht es aber um Detailfragen. Nämlich zu den Bereichen, in denen die Niederspannungsrichtlinie nicht anwendbar ist, und ggf. trotzem eine Konformitätsbescheinigung erforderlich ist.

    Die dafür ab Juli 2014 gültige Norm DIN EN61439 schreibt dafür verschiedene Test vor wie ein >10kA Kurzschlussfestigkeit Nachweis durch zerstörende Prüfung. Da diese Prüfungen sehr Kostenintensiv sind, wägen einige Hersteller von Komponenten dies sehr genau ab.
    Und genau hier irrst du dich, vielleicht verstehe ich deine Aussage aber auch anders als du sie gemeint hast. Ein Hersteller kann sich nicht aussuchen, ob er Konformität bescheinigt oder nicht. Wenn eine Richtlinie anwendbar ist, muss er sich an die einschlägigen Normen halten. Es mag allerdings eine Grauzone geben, wo man darüber streiten kann, ob eine Richtlinie anwendbar ist. Genau deswegen meine Frage: Wann ist die EMV-Richtlinie auf Motoren anzuwenden, und wann nicht?

    Es geht mir übrigens auch nicht darum, dass ich selbst für ein Gesamtgewerk eine Bescheinigung erstellen müsste. Es geht nur darum, wann ein Motorhersteller für einen Motor eine CE-Kennzeichnung vornehmen muss und wann nicht. Weil ich diese Informationen dann natürlich auch meinen Kunden zur Verfügung stellen muss.

    Mit freundlichen Grüßen
    Thorsten Ostermann
    Geändert von ostermann (19.06.2014 um 11:13 Uhr)
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  6. #6
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    Zur Detailfrage:
    Die Heransgehensweise ist genau anders herum: Es ist zuerst zu klären unter welche Richtlinien ein Betriebsmittel fällt und dann sind alle zutreffenden Richtlinien einzuhalten. Der Nachweis der Einhaltung einer Richtlinie sollte möglichst über die Anwendung der entsprechenden harmonisierten Normen erfolgen - muss aber nicht, das ist aber fast nicht zu handeln.
    In manchen Fällen werden durch eine Richtlinie andere automatisch mit eingeschlossen, Ausschlüsse gibt's nie.

    Die Grauzone ist so klein, dass jedwede Spekulation darüber unsinnig ist. Also mir fällt auf Anhieb praktisch kein elektrisches Gerät ein, auf das die EMV-Richtlinie nicht anwendbar wäre (Ausnahme Kabel, Stecker, elktromechanische Schalter für seltene Betätigung [wie z.B. Lichtschalter]). Wenn ein elektrisches Gerät im Betrieb zu erwartende EM-Störungen erzeugt oder durch Störungen von außen beeinflußt werden kann, dann fällt es unter die Richtlinie. Es hilft nicht zu versuchen, irgendwelche Schlupflöcher in den Richtlinien nutzen zu wollen, im Falle einer Überprüfung werden die Richtlinien im Sinne der ihnen zugrundeliegenden Idee interpretiert.

    Das Erfordernis eine Richtlinie einzuhalten hat nicht unbedingt zwingend eine Kennzeichnungspflicht zur Folge.
    Bei elektrischen Motoren kann es sich im Sinne der Maschinenrichtlinie um eine unvollständige Maschine handeln. Für diese ist dann zwar keine CE-Kennzeichnung erforderlich, aber als entsprechender "Ersatz" muss eine Einbauerklärung seitens des Motorenherstellers vorliegen - abgesehen vom Picherl läuft's dokumentarisch letztlich auf das selbe hinaus.

    Also ich würde bei einem elektrischen Motor immer die EMV-Richtlinie, in Abhängigkeit von der Spannung auch die Niederspannungsrichtlinie und letztlich (abhängig vom mechanischen Gefährdungspotential) auch die Maschinenrichtlinie in Anwendung bringen. Was auch immer greift ist die RoHS-Richtlinie.

    Die Richtlinien und Listen der anwendbaren harmonisierten Normen gibt's hier: http://www.newapproach.org/Directives/DirectiveList.asp

  7. Folgender Benutzer sagt Danke zu hovonlo für den nützlichen Beitrag:

    ostermann (25.06.2014)

  8. #7
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    Formell gehören auch ortsfeste Anlagen nicht zum Komformitätsbewertungsverfahren der EMV-Richtlinie. Die Richtline fordert nur das Schutzziele eingehalten werden (ohne zwingende Nachweis von Messungen) und das diese dokumentiert werden.

  9. #8
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    Wir reden hier aber nicht von ortsfesten Anlagen, sondern von einzelnen Antrieben...

    Mit freundlichen Grüßen
    Thorsten Ostermann
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  10. #9
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    Hallo Hovonlo,

    Zitat Zitat von hovonlo Beitrag anzeigen
    Das Erfordernis eine Richtlinie einzuhalten hat nicht unbedingt zwingend eine Kennzeichnungspflicht zur Folge.
    Bei elektrischen Motoren kann es sich im Sinne der Maschinenrichtlinie um eine unvollständige Maschine handeln. Für diese ist dann zwar keine CE-Kennzeichnung erforderlich, aber als entsprechender "Ersatz" muss eine Einbauerklärung seitens des Motorenherstellers vorliegen - abgesehen vom Picherl läuft's dokumentarisch letztlich auf das selbe hinaus.

    Also ich würde bei einem elektrischen Motor immer die EMV-Richtlinie, in Abhängigkeit von der Spannung auch die Niederspannungsrichtlinie und letztlich (abhängig vom mechanischen Gefährdungspotential) auch die Maschinenrichtlinie in Anwendung bringen. Was auch immer greift ist die RoHS-Richtlinie.
    Danke, so ist im Prinzip auch mein Verständnis. Da für "große" Servomotoren eine Kennzeichnungspflicht besteht, für Kleinmotoren aber in der Praxis keine Kennzeichnung erfolgt, sehe ich nach wie vor eine Abweichung zwischen meinem theoretischen Verständnis und der praktischen Umsetzung. Offensichtlich entscheidet die Anwendbarkeit der Niederspannungsrichtlinie über die Frage ob eine Kennzeichnung erfolgt oder nicht. Das steht aber in einem Widerspruch zu anderen Produktklassen (z.B. PLC-Komponenten). Wirklich schlauer bin ich also immer noch nicht.

    Mit freundlichen Grüßen
    Thorsten Ostermann
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