Agenda 2010


Es ist Montag, der 3. Juni 2010, 5 Uhr morgens.

Der Radiowecker reißt Martin L.. (42) aus dem Schlaf.

Der Oldie-Sender spielt Modern Talking. Herr L. quält sich aus dem Bett.

Gestern ist es etwas später geworden. Bei der Arbeit.

Dienst am Pfingst-Sonntag - mal wieder. Früher konnte er danach wenigstens ausschlafen.

"Ja, ja, der Pfingstmontag", murmelt Herr L., "ist das wirklich schon sieben Jahre her?"

Es hat sich wirklich einiges getan seit damals.

Nur nicht in seinem Haus. Als 2005 die Eigenheimzulage plötzlich doch gestrichen wurde,
mussten sie eben Abstriche machen. Und inzwischen hat sich Familie L. daran gewöhnt.
An die frei liegenden Leitungen und den Betonfußboden.

Gut, denkt Herr L., dass damals die Garage noch nicht fertig war. Denn der Wagen ist
längst verkauft. Zu teuer, seit es keine Kilometerpauschale mehr gibt. Und mit Bus und
Bahn dauert es in die City ja auch nur zwei Stunden. Und was man dabei für nette Leute
trifft. Zum Beispiel die Blondine, die Herrn L. immer so reizend anlächelt.
Zurücklächeln mag er nicht.

Wegen seiner Zähne. Aber was will man machen?

3000 Euro für zwei Kronen sind viel Geld. Und schon die Brille musste er selbst
bezahlen. Hat dabei aber 15 Euro gespart, weil er nicht gleich zum Augen-, sondern erst
zum Hausarzt gegangen ist. Wegen der Überweisung.

Trotzdem: Der Urlaub fällt flach. "Das könnte Ärger geben zu Hause", stöhnt Herr L. vor
sich hin. Traurig erinnert er sich an letzte Weihnachten. Als es nichts gab. 2009 wurde
nämlich auch in der freien Wirtschaft das Weihnachtsgeld gestrichen. Im öffentlichen
Dienst ist das ja schon länger her.

"Und bis wann gab 's eigentlich Urlaubsgeld?", fragt sich Herr L., er kommt nicht drauf.

Damals hatte man jedenfalls noch genügend Urlaub, um das Urlaubsgeld auszugeben. Heute
sind's ja gerade mal 19 Tage im Jahr.

Pfingstmontag? 1. Mai? Geschichte. Das stand nicht auf der Agenda 2010 - so hieß sie doch
oder? Aber man soll nicht meckern. Die da oben, weiß Herr L., müssen noch viel mehr
ackern.

Darum kann Martin L. mit der 45-Stunden-Woche auch ganz gut leben. Er hat auch keine Wahl. Seit der Kündigungsschutz auch in großen Betrieben gelockert wurde, mag man es sich mit
den Bossen nicht mehr verscherzen. Wer will sich schon einreihen in das Heer von sieben
Millionen Arbeitslosen?

Aber den Feiertagszuschlag für den Dienst an Pfingsten vermisst er schon.

Was soll 's, in 23 Jahren, dann wird er 70, hat Herr L. es hinter sich.

So üppig wird die Rente zwar nicht ausfallen, wenn das mit den Nullrunden so weitergeht.

Doch wer weiß: Vielleicht bringt ihn das Rauchen vorher um. Obwohl er weniger qualmt,
seit die Schachtel neun Euro kostet. Aber heute, auf den letzten Metern zum Büro, steckt
Martin L.sich trotzdem eine an.

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Diese E-Mail geht momentan durch ganz Deutschland, warum wohl???
Schick auch Du sie ruhig weiter...kostet ja nix...NOCH nix!

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