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Thema: Auch Informatiker brauchen einen hippokratischen Eid

  1. #1
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    Habe ich in der 'Zeit' gefunden, bei Zuwiderhandlung wird die Lizenz zum Code'n entzogen.

    Ethik für Nerds

    Auch Informatiker brauchen einen hippokratischen Eid



    VON GERO VON RANDOW



    Überwachen, ausspähen, durchleuchten, manipulieren, so beschreiben wir den digitalen Alltag. Aber wer ist es, der da überwacht, ausspäht, durchleuchtet oder manipuliert? Google, Facebook, die Geheimdienste? Durchaus. Aber die Programme werden von ganz realen Individuen geschrieben, die für Unternehmen oder Behörden arbeiten. Menschen wie du und ich, die Zwängen ausgesetzt sind, Geld verdienen müssen, ein Gewissen haben.

    Und die sich beispielsweise mit Kollegen am Kaffeeautomaten treffen. Dort beginnen Gespräche zuweilen mit: »Du, ich hab da ein Problem ...« – etwa dass eine Software zum Spionieren missbraucht werden kann, am Arbeitsplatz gesundheitsschädlich wirkt oder zu wenig getestet wurde, aber wegen des Termindrucks eben doch ausgeliefert werden soll. Mit solchen Problemen sehen sich Software-Ingenieure und Programmierer fast immer alleingelassen.

    Programmieren bedeutet, Regeln für die technische Welt aufzustellen. Aber welche Regeln gelten für Programmierer? Die gesetzlichen, das Bundesdatenschutzgesetz zum Beispiel. Doch die Rechtsnormen stecken nur das ethische Minimum ab. Alles Unerwünschte verbieten, alles Gewünschte erzwingen, das geht in einem Rechtsstaat nicht. Wenn beispielsweise Facebook-Anwendungen die User verführen, Intimes preiszugeben, dann ist das schlecht, geht aber das Recht nichts an.

    Weshalb etwas Neues eingeführt werden sollte: eine Art hippokratischer Eid für Informatiker. Also berufsständische Regeln, die festlegen, wozu Programme dienen dürfen; Regeln, auf die sich interne Kritiker und Whistleblower berufen können und die ihnen die Angst nehmen, Missstände zu melden.

    Geht das? In Amerika hat die Association for Computing Machinery bereits 1992 einen solchen Kodex verabschiedet. Die deutsche Gesellschaft für Informatik (GI) zog bald nach. Beide Texte sind allgemein gehaltene Selbstverpflichtungen. Aus ihnen lässt sich ableiten, dass jeder Informatiker verpflichtet sei, die Konsequenzen seiner Software zu bedenken; sind sie schädlich, muss er etwas dagegen tun. Fein. Doch wer sich die Software-Welt von heute so ansieht, wird kaum annehmen, dass diese Forderung massenhaft befolgt wird. Hat nicht auch Google einen Verhaltenskodex, in dem es heißt:

    Don’t be evil,

    sei nicht böse?

    Aus der Sicht einer Software-Schmiede, die für einen Kunden Code schreibt und deshalb sieben Tage in der Woche 16-Stunden-Schichten schiebt, bleiben derartige Proklamationen leer. Ebenso wie für die Heerscharen von Wissenschaftlern, die um prekäre Arbeitsverträge kämpfen. Nein, gegen diese Wirklichkeit und ihre Zwänge haben abstrakte Forderungen nach dem Guten keine Chance.

    Notwendig sind daher, erstens, griffigere Regeln. Zumal die gegenwärtigen die heutigen Techniken der Überwachung, Ausspähung, Durchleuchtung und Manipulation nicht nennen. Zweitens müssen einem neuen Ethik-Kodex Zähne verliehen werden. So könnte man öffentliche Aufträge nur noch an solche Unternehmen vergeben, die Seminare über ethische Grundsätze durchführen, und zwar anhand von Fallbeispielen, die von Dritten eingebracht werden, etwa von der GI. Außerdem kann das Arbeits- und Schadensersatzrecht auf den Kodex für Informatiker verweisen; in anderen Bereichen wie zum Beispiel der Wirtschaftsprüfung gibt es so etwas schon. Drittens: Ethische Regeln werden nur dann befolgt, wenn sie Teil einer Berufskultur sind. Für die Ärzte gilt seit etwa 2500 Jahren der hippokratische Eid: Die Schweigepflicht zum Beispiel beruht darauf. Oft wurde der Eid gebrochen, aber er lebt fort als Maßstab ärztlichen Handelns. So etwas brauchen die Codierer auch, und zwar von Anfang an. Ethisches Programmieren muss Teil des Prüfungsstoffs an Universitäten, ja des Schulunterrichts werden.

    Der amerikanische Schriftsteller Dave Eggers hat wegen der Bedrohungen im digitalen Zeitalter eine neue Deklaration der Menschenrechte gefordert. Das mag sinnvoll sein. Ein hippokratischer Eid für Informatiker aber hätte verbindlicheren Charakter – und er würde an der Quelle ansetzen. Er gehört auf die »digitale Agenda« der Bundesregierung.
    - - -
    Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.
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  2. #2
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    Da kommt mir eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht in München in Erinnerung.
    Es ging darum, dass ein Inbetriebnehmer sich geweigert hat bei Heckler und Koch und bei Glock Bearbeitungszentren zu installieren.
    Es gab einen Vergleich am Ende, leider kein Urteil.

    Was denkt ihr, ist es ethisch vertretbar sich zu weigern oder nicht?


    bike
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    Good programmers write code that humans can understand."
    --Martin Fowler

  3. #3
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    Zitat Zitat von bike Beitrag anzeigen
    Da kommt mir eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht in München in Erinnerung.
    Es ging darum, dass ein Inbetriebnehmer sich geweigert hat bei Heckler und Koch und bei Glock Bearbeitungszentren zu installieren.
    Es gab einen Vergleich am Ende, leider kein Urteil.

    Was denkt ihr, ist es ethisch vertretbar sich zu weigern oder nicht?


    bike

    Ethisch vertretbar ja aber in meinen Augen sinnlos. Dann macht es halt ein anderer. Genauso so dämlich finde die Regelung keine Waffen in Krisengebiete zu liefern. Wenn D sie nicht liefert dann halt der Ami oder der Russe. Wenn die Waffen haben wollen dann bekommen Sie die auch. Genau wie die Waffenhersteller ihre Maschinen
    Früher gab es Peitschen .... heute Terminkalender

  4. Folgender Benutzer sagt Danke zu Lipperlandstern für den nützlichen Beitrag:

    Gerhard Bäurle (18.08.2014)

  5. #4
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    Ich habe den Wehrdienst verweigert. Ich würde auch nicht in oder für solchen Firmen arbeiten die hauptsächlich Tötungsmaterial herstellen. Ich finde es einfach arm wenn man seine Lebenszeit dafür hergibt, anderes Leben zu zerstören.

    Aber wenn man den kürzlich getätigten Aussagen der angeblich "christlichen" Parteien in Bayern folgt, ist solange es für die Wirtschaft gut ist, egal ob mit den produzierten Mitteln massenweise Menschen ermordet werden. Nach deren Moral ist Geld verdienen mit dem Töten von Menschen in Ordnung, solange die Kasse klingelt.
    Ich würde mich zwar mittlerweile als Atheisten bezeichnen, bin aber erzkatholisch erzogen worden. Nach dem was ich so davon gelernt habe (Jesus würde man heute wohl als Pazifisten bezeichnen), müssten die jetzt rund im die Uhr in der Kirche sitzen und beichten.

    Ich habe mir kürzlich erst überlegt, ob ich meine Open-Source Projekte explizit von der Verwendung für z.B. militärische Zwecke, oder auch zur Produktion solcher Teile ausschließe.
    Das verträgt sich aber z.B. nicht mit der GPL-Lizenz, weil da solche Ausnahmen ausgeschlossen sind.

  6. Folgende 6 Benutzer sagen Danke zu Thomas_v2.1 für den nützlichen Beitrag:

    dentech (18.08.2014),ostermann (19.08.2014),Rainer Hönle (18.08.2014),rostiger Nagel (18.08.2014),Sps-rookie (19.08.2014),Zottel (20.08.2014)

  7. #5
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    Der Mensch an sich ist ja kein friedliches Wesen, er sucht
    seinen Vorteil, will mehr als der andere, nimmt dem anderen
    etwas weg usw.

    Praktisch scheint ein gewisser Gleichstand an Waffen daher
    mehr Frieden und Freiheit zu bringen, als einseitiges Abrüsten.

    Wenn wir bei H&K die Maschinen abstellen, laufen die in anderen
    Ländern ein wenig länger. Für den Weltfrieden bringt das nichts.

    Als Mensch mit Verstand und Anstand zuckt man bei solchen
    Erkenntnissen zusammen – aber wo fangen wir an?
    Beste Grüße Gerhard Bäurle
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    Hardware: the parts of a computer that can be kicked. – Jeff Pesis

  8. #6
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    Zitat Zitat von Gerhard Bäurle Beitrag anzeigen
    Als Mensch mit Verstand und Anstand zuckt man bei solchen
    Erkenntnissen zusammen – aber wo fangen wir an?
    Sollte die Frage nicht heißen:
    Warum fangen wir nicht an?

    Eine Aussage, dass andere es machen, wenn ich es nicht mache, finde ich falsch.

    Wo beginnt die Verantwortung des Einen und endet die Profitsucht des Anderen?

    Ich gehe mit Thomas konform, man muss etwas tun, auch wenn es nicht leicht ist.


    bike
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  9. Folgender Benutzer sagt Danke zu bike für den nützlichen Beitrag:

    Rainer Hönle (19.08.2014)

  10. #7
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    Sehe ich auch so wie Thomas, wenn ich die Maschinen nicht programmiere tut es zwar ein anderer, aber ich habe ein reines Gewissen und wenn viele so denken würden bringt es vielleicht was.
    Alles geht, außer nem Känguru das hüpft.

    Tschö dentech

  11. Folgender Benutzer sagt Danke zu dentech für den nützlichen Beitrag:

    ostermann (19.08.2014)

  12. #8
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    Zitat Zitat von bike Beitrag anzeigen

    ... man muss etwas tun ...
    man könnte, man sollte, man müsste – kann ich leiden wie Zahnweh.

    Wir haben zu viele Schwätzer und zu wenig Macher.
    Beste Grüße Gerhard Bäurle
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  13. Folgender Benutzer sagt Danke zu Gerhard Bäurle für den nützlichen Beitrag:

    Lipperlandstern (18.08.2014)

  14. #9
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    Zitat Zitat von bike Beitrag anzeigen
    Sollte die Frage nicht heißen:
    Warum fangen wir nicht an?
    Nein.

    Wer auf "Wo fangen wir an?" eine Antwort sucht, beginnt
    die eigentliche Aufgabe zulösen.

    Wer die "Warum ... ?" beantworten will, sucht Ausreden
    und Schuldige. Löst aber nicht die Aufgabe.

    Damit sind wir wieder bei Thomas und der Zeitverschwendung.
    Beste Grüße Gerhard Bäurle
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  15. Folgender Benutzer sagt Danke zu Gerhard Bäurle für den nützlichen Beitrag:

    Markus (19.08.2014)

  16. #10
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    Tja, wo fangen wir denn an?

    Mit unseren Maschinen werden vielfach Dinge hergestellt, die man aufs wesentliche reduziert, eigentlich nicht braucht, aber endlos ressourcen verballern.

    Die Saatmittelkonzerne, also Bayer, BASF, Monsanto und Co. produzieren Gentechnisch veränderte Pflanzen, die außer der Tatsache das sie patentierbar sind, keinem auch nur irgendwas bringen (halt, Aktionären und Vorständen Profit ...)

    Mein Hausarzt speist mich mit einem Rezept ab, anstelle sich um mein wirkliches Problem zu kümmern, natürlich aus ökonomischen Zwängen.
    Die Ärzteschaft interessiert sich für den hippokratischen Eid auch nur in Notfällen, oder wenns darum geht einen quasi schon gestorbenen, vorzugsweise älteren, Patienten bzw. dessen Krankenversicherung ein paar tausender aus den Rippen zu leiern.
    Kurzum, eigentlich gibt es überhaupt keine Berufsgruppe die einem besser vor Augen führt, das solch ein Kodex oder Selbstverpflichtung für den Allerwertesten ist.

    Mit unseren Kunststoffprodukten wurden Langzeitstabile Chemische Verbindungen geschaffen,
    die das "Leben" auf dem Planeten bis zu dessen endgültigen Untergang beeinflussen werden,
    was bei radioaktiven Abfall interessanterweise nicht der Fall ist, egal wie lange die Halbwertszeit ist.

    Mit Facebook, Google und Co. wurde etwas geschaffen, was ursprünglich sicherlich nicht zur Spionage gedacht war (unterstelle ich mal),
    aber sich strukturell hervorragend dafür eignet, und schon alleine aus dem Grund allerlei Begehrlichkeiten weckt.

    Mit millitärischen Forschungen wurden Dinge entwickelt, von denen mehr oder weniger jeder täglich profitiert,
    oder sie wenigstens bewusst oder unbewusst nutzt.
    Die Raumfahrt hätte es ohne Adi/Braun und den 2ten WK sicherlich nicht so schnell, wenn überhaupt in der Form gegeben.
    GPS würde es ohne Miltär auch nicht geben.

    P.S.
    Wie schwierig es mit Ethik ist, zeigt wie ich finde recht anschaulich folgender Bericht:
    http://www.suessesgift.wfilm.de/sues...t/Synopsis.htm

    Auf die Formel gebracht würde ich festhalten, das jeder Mensch bis zu einem gewissen Grad "Schlecht" ist.
    Warum denn einfach, wenn man auch Siemens einsetzen kann!

    Wer die grundlegenden Freiheiten aufgibt, um vorübergehend ein wenig Sicherheit zu bekommen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit (B. Franklin).

  17. Folgende 2 Benutzer sagen Danke zu MSB für den nützlichen Beitrag:

    JanB1 (19.08.2014),Markus (19.08.2014)

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