Ich gebe hier mal meine Erfahrung mit LabView zum besten, weil man viel in der Werbung lesen kann, aber wenig erfährt: Ich habe jetzt einmal LabView National Instruments für den automatischen Test von elektronischen Baugruppen vorgesetzt bekommen und bin nicht mehr ganz so skeptisch wie wie noch letztes Jahr. LapView kommt mit einer rein graphischen Oberfläche daher und wurde ursprünglich nur für die Ansteuerung von Messinstrumenten über GPIB und RS232 entwickelt. Selbst die Programmierung war ursprünglich rein grafisch und wird in es in den meisten Fällen auch weiterhin sein. Die Amis wollen auch auf den Automatisierungsmarkt und haben deshalb schon ein rudimentäres Feldbuskonzept eingebaut, wobei ich allerdings bemerken möchte, dass es wohl beim Wunsch bleiben wird, weil die Produktivität in der Maschinenautomatisierung mit ST um einiges höher sein dürfte. Die Stärke von LabView liegt in der riesigen Bibliothek von Messgerätetreibern und Auswertungsfunktionen für die Daten. Wobei unter Messgeräten auch z.B. über TCP/IP oder GPIB steuerbare Stromversorgungen zu verstehen sind. Die Auswertungsfunktionen reichen von einfachen Statistikfunktionen bis zu digitalen Filten und Reglern bis zur grafischen Darstellung und die Speicherung in Datenbanken. Man bekommt bei NI zu nahezu jedem Instrument einen Treiber heruntergeladen, wobei es nicht sehr schwer ist, auch ohne Treiber zurechtzukommen, da die meisten Geräte über ein ASCII-Protokoll gesteuert werden und NI mit seinen Assistenten eine gute Hilfestellung gibt. Ich hatte es aus Neugier fertiggebracht in einem ersten Versuch innnerhalb von wenigen Minuten mit Hilfe von FFT und weiteren Signalverarbeitungsfunktionen, eine einfache Demo für eine Herzfrequenzmessung aus einem Mikrofonsignal zu bauen. Schön war jedenfalls die nette grafische Darstellung, die rasch zu realisieren ist. Aber auch spezielle Bildverarbeitungsfunktionen fehlen nicht, leider habe ich von Wavelets zu wenig Ahnung und so müssen ein Teil dieser Funktionen ungenutzt bleiben. Ich hatte allerdings auf einem Kurs den Eindruck, dass im wesentlichen Universitäten und Labore diese Software mit einfachsten Messgeräten über RS232 nutzen. Schade eigentlich, denn die PXI-Messysteme (PXI ist einfach ausgedrückt ein erweiterter PCI-Bus) bieten im Zusammenspiel mit LabView eine hervorragend Performance und sind um ein vielfaches schneller. Dazu kommt noch, dass sich die PXI-Karten schnell austauschen lassen und robust sind. In meiner Firma werden wir komplett zu PXI übergehen, weil so ein System im Katastrophenfall eines Komplettausfalles sich einfacher austauschen lässt. Das Zusammenspiel mit der SPS gewährleistet eine 30V-IO-Karte geben, so dass ein einfaches Handshake mit der SPS zu realisieren ist, um einen Test auszuführen. Kommunikation mit TCP/IP, RS232 oder CAN ist natürlich auch möglich. In unserem Falle haben wir mehrere Relaiskarten, eine DMM-Karte, Eine 8-Analog-Ausgabekarte und eine 30V-Digitale-IO-Karte im PXI-System, dass mit einem 800Mhz Celeron-Embedded-PC betrieben wird. Angeschlossen über GPIB ist noch eine Spannungsversorgung mit 2x 0V-60V/5A und 0V-35V/1.5A für die Rackmontage (Höhe nur 1U!). Bei Bedarf kann ich noch schnell das eine oder andere Messinstrument ankoppeln. Auf ein RealTime-OS haben wir im PXI-System verzichtet. Man kann auch so ziemlich alle mit Etherschnittstelle auf dem Mark befindlichen Messgeräte übers Netz ankoppeln, was ich bei uns noch nicht machen möchte, da ich meine dazu ein abgeschottetes 2. Netz haben zu müssen. Im Vergleich mit einer SPS lohnt es sich LabView auf Testständen mit einer grossen Anzahl von Messdaten einzusetzen, weil LabView dafür alles enthält. Was ich niemals machen würde, ist irgendeine Maschine damit zu automatisieren, weil mit ST die Sache einfach schneller zu machen ist. Im Moment schaue ich mir noch Teststand von NI an, weil man damit Testsequenzen inkl· Logging def. kann, so dass diese ein einheitliches Konzept bekommen. Grundlage sind LabView-Module, die zu Sequenzen zusammengefügt werden.

Übrigens warne ich vor der Registrierung bei NI, man bekommt dann jede Menge SPAM und die sind wirklich penetrant.