Standzeiten von Flächengreifer-Dichtmatten (EPDM) bei Wellpappe-Handling – Falschluft, Fasersättigung, Alternativen?

steve5207418

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Hallo zusammen,

ich beschäftige mich mit der Instandhaltung / Ersatzteilbeschaffung für hochdynamische Depalettier- und Sortierlinien. Unser Fokus liegt auf den großflächigen Vakuumgreifern, die mit selbstklebenden EPDM-Schaumstoffmatten belegt sind.

Speziell beim Handling von rohen, unbeschichteten Wellpappekartons beobachten wir:
- abrasiven Abrieb an der Dichtmatte,
- Eindringen von Kartonstaub und Mikrofasern in die Zellstruktur,
- Verhärtung und lokale Verglasung der Oberfläche,
- daraus resultierende Falschluft im Randbereich, die bei schnellen Roboterbewegungen zu Produktabstürzen führt.

Unsere Matten halten im 3-Schicht-Betrieb oft nur 4–6 Wochen, und die OEM-Ersatzteilpreise (Schmalz, Piab etc.) sind aus unserer Sicht schwer zu rechtfertigen.

Mich interessiert eure Praxis:
1. Welche Standzeiten seht ihr unter ähnlichen Bedingungen?
2. Überwacht ihr den Zustand aktiv (Vakuumsensorik, Zykluszeiten) oder wechselt ihr rein präventiv?
3. Habt ihr bereits auf Aftermarket-Matten oder alternative Schaumstoffe umgestellt und welche Erfahrungen habt ihr dabei mit Klebkraft, Rückstellverhalten und Geometrietoleranz gemacht?

Ich bin nicht auf Verkäuferseite, sondern will für die eigene Instandhaltung valide Entscheidungsgrundlagen sammeln. Über jeden Erfahrungswert oder Warnhinweis freue ich mich.

Beste Grüße
 
Interessantes Thema.

Mein Ansatz bei einem solchen Thema wäre es vermutlich den Vertrieb von Schmalz anzuhauen, meine Sauger die ich Wechsel zu dokumentieren (Sauger X, eingebaut XYZ. ausgebaut ABC...) und das denen mal zur Prüfung vorzulegen. Da gibt es dann meist ne relativ gute Aussage zu dem Thema, und auch Vorschläge was man machen könnte (anderes Produkt, andere Herangehensweise... )

Wenn diese Option unzufriedenstellend ausgeschöpft ist, würde ich erst über den Tellerrand schauen.

Unabhängig von der Lösung ist aber eine saubere Dokumentation, damit man auch Erfolge messen kann.

Grüße

Marcel
 
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Mit diesem Thema hab ich schon sehr viel Arbeits- und Lebenszeit verbracht...
Wir haben schon viele Varianten durch, aber am Besten funktioniert bei uns eine nicht-Standard-Variante der Matten von Schmalz in Kombination mit Schmalz Flächengreifern mit Strömungswiderständen / ohne Kugelventile in Kombination mit drehzahlgeregelten Seitenkanalverdichtern mit analoger Vakuum-Messung.

Anwendungsfall typischerweise sägerauhes Nadelholz = rauh, faserig, uneben und ab und zu klebriges Harz.

Vorher war es so, dass bei egal welchem Anbieter der Matten nach ca 4-6 Wochen die Fetzen von der Matte herunter hingen.
Jetzt ist das Wechselintervall ca 1x pro Jahr.
 
Mit diesem Thema hab ich schon sehr viel Arbeits- und Lebenszeit verbracht...
Wir haben schon viele Varianten durch, aber am Besten funktioniert bei uns eine nicht-Standard-Variante der Matten von Schmalz in Kombination mit Schmalz Flächengreifern mit Strömungswiderständen / ohne Kugelventile in Kombination mit drehzahlgeregelten Seitenkanalverdichtern mit analoger Vakuum-Messung.

Anwendungsfall typischerweise sägerauhes Nadelholz = rauh, faserig, uneben und ab und zu klebriges Harz.

Vorher war es so, dass bei egal welchem Anbieter der Matten nach ca 4-6 Wochen die Fetzen von der Matte herunter hingen.
Jetzt ist das Wechselintervall ca 1x pro Jahr.
Spannender Einblick, danke dir! Das zeigt ja, dass das Thema extrem tief geht. Ein Wechsel von 4–6 Wochen auf 1 Jahr durch das System-Upgrade ist natürlich genial.
Um das besser zu verstehen: Bevor ihr umgerüstet habt und die Fetzen flogen – war das Hauptproblem der mechanische Abrieb des Schaumstoffs an der Holzoberfläche, oder hat der Kleber zwischen Matte und Alu-Trägerplatte den Scherkräften nicht standgehalten und sich gelöst?
Und habt ihr vor dem großen Umbau mal Aftermarket-Matten von Drittanbietern getestet, oder sind die alle an der Materialqualität gescheitert?
 
Interessantes Thema.

Mein Ansatz bei einem solchen Thema wäre es vermutlich den Vertrieb von Schmalz anzuhauen, meine Sauger die ich Wechsel zu dokumentieren (Sauger X, eingebaut XYZ. ausgebaut ABC...) und das denen mal zur Prüfung vorzulegen. Da gibt es dann meist ne relativ gute Aussage zu dem Thema, und auch Vorschläge was man machen könnte (anderes Produkt, andere Herangehensweise... )

Wenn diese Option unzufriedenstellend ausgeschöpft ist, würde ich erst über den Tellerrand schauen.

Unabhängig von der Lösung ist aber eine saubere Dokumentation, damit man auch Erfolge messen kann.

Grüße

Marcel
Hallo Marcel,

danke für den Input! Das saubere Logging ist prozessual absolut der Königsweg.

Aus der Praxis gefragt: Wie schnell und kooperativ erlebst du den OEM-Vertrieb bei solchen Standzeit-Problemen wirklich? Oft hört man, dass die Prüfungen Wochen dauern oder die Schuld auf die „spezifische Kartonage“ geschoben wird.

Ab wann ist für dich der administrative Aufwand so nervig, dass du den offiziellen Dienstweg verlässt und sagst: „Ich suche mir jetzt selbst eine schnelle Aftermarket-Alternative vor Ort“?

Grüße Steve
 
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Meine Erfahrung ist hier, dass das typische Schema-F vom Anwendungstechniker nicht immer so einsetzbar ist und ich irgendwann die Auslegungen selbst gemacht habe.
Also in unserem Fall war auch irgendwann der Punkt, dass der Schmalz Außendienst gesagt hat, dass das nicht funktionieren wird, weil z.B. zu wenig Saugleistung vorhanden ist.
Dann trotzdem so ausgeführt.
Nach der IBN war dann die Aussage, dass zu viel Saugleistung anliegt etc.
Durch das Spielen-Können mit dem FU auf dem Seitenkanalverdichter war dann die Realität irgendwann gefunden.
Wir haben dann auch an einer Anlage experimentiert mit verschiedenen SKVs.
Von 2-stufigem SKV -> 1-stufigem SKV mit doppelter Luftleistung als vorher, aber weniger Unterdruck etc.
Oder mit geregeltem Soll-Unterdruck + Fixfrequenz 60Hz beim Ansaugen und kurz davor etc.
Die reine Saugmatte ist dabei nur ein Teil des Gesamtkonzeptes. Grundqualität muss stimmen und auch die Kleberückstände beim Mattenwechsel müssen beachtet werden.

Mechanisches Verschieben beim Aufsetzen sollte aber trotzdem so weit wie möglich ausgeschlossen werden. Das mag keine Schaumstoffmatte auf Dauer.

Ich spreche mittlerweile eigentlich nur noch mit den Entwicklungsingenieuren von Schmalz und nicht mehr mit dem eigentlichen Außendienst 😅

Tipp:
Frage mal, ob Schmalz dir zum Testen einen mehrteiligen Schaumstoff mit N 10 O 10 oder S 05 O 10 O 10 geben kann. Damit funktioniert es bei uns am Besten.
Kostenmäßig ca Faktor 2 zum Standard.
 
Nur ein Tipp zum Thema Drehzahlregelung:
Ein SKV mit 5,5kW, was ungeregelt einfach immer ca 5kW braucht und extrem heiß wird, kann man mit besserer Performance auch mit dem halben Leistungsbedarf fahren und z.B. mit 6,5kW ansaugen und 2kW beim Halten betreiben.

Das Ansaugen mit viel Luftmengen-Überschuss komprimiert die Matte beim Ansaugen besonders stark und hat dadurch erheblich weniger Falschluft und bessere Haltekraft bei gleichem Vakuum.
Der absolute Unterdruck der anliegt ist nur die halbe Wahrheit.
 
Mit diesem Thema hab ich schon sehr viel Arbeits- und Lebenszeit verbracht...
Wir haben schon viele Varianten durch, aber am Besten funktioniert bei uns eine nicht-Standard-Variante der Matten von Schmalz in Kombination mit Schmalz Flächengreifern mit Strömungswiderständen / ohne Kugelventile in Kombination mit drehzahlgeregelten Seitenkanalverdichtern mit analoger Vakuum-Messung.

Anwendungsfall typischerweise sägerauhes Nadelholz = rauh, faserig, uneben und ab und zu klebriges Harz.

Vorher war es so, dass bei egal welchem Anbieter der Matten nach ca 4-6 Wochen die Fetzen von der Matte herunter hingen.
Jetzt ist das Wechselintervall ca 1x pro Jahr.
Manchmal sind die einfachsten Lösungen einfach die besten.
Seitenkanalverdichter zieht soviel Volumen, dass kleinere Undichtheiten keinen großen Einfluß haben.
Staub, Späne werden quasi vor dem Aufsetzen weggesaugt. Natürlich muss die Aufsetzgeschwindigkeit da passen.
Querschnitte der Schläuche sollten natürlich auch passen. Bei Seitenkanalverdichtern lieber ne Nr. größer.
 
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